Stele zum Gedenken an queere Verfolgte in Mainz

Juli 22, 2021 / Kommentare deaktiviert für Stele zum Gedenken an queere Verfolgte in Mainz

Aktuelles

Am 13.02.2019 hatte der Mainzer Stadtrat einstimmig beschlossen, eine Stele zum Gedenken an die Verfolgung von Menschen aufgrund ihrer sexuellen und/oder geschlechtlichen Identität während der NS-Dikatur und in der Nachkriegszeit zu errichten. Der Text wurde mit Vertreter_innen der queeren Community in Mainz abgestimmt.

Am 21.07.2021 wurde die Gedenkstele, unterstützt vom Land Rheinland-Pfalz, QueerNet Rheinland-Pfalz und vielen anderen queeren Initiativen, feierlich enthüllt am Ernst-Ludwig-Platz in Mainz. Sie ist vermutlich das erste Denkmal in Deutschland, das allen queeren Opfern staatlicher Verfolgung gemeinsam gedenkt. Es sprachen der Mainzer Oberbürgermeister Michael Ebling, Intergrationsministerin Katharina Binz, Landtagspräsident Hendrik Hering und QueerNet-Sprecher Joachim Schulte.

Der Text der Stele:

Totgeschlagen. Totgeschwiegen.

Männer, die Männer liebten, Frauen, die Frauen liebten, und Menschen, deren Geschlechtsidentität nicht der vorherrschenden Norm entsprach, wurden in der nationalsozialistischen Diktatur erniedrigt, verfolgt und ermordet. In der jungen Bundesrepublik sind die Verbrechen an ihnen verschwiegen worden. Schwule Männer wurden in Anwendung des verfehlten § 175 Strafgesetzbuch weiterhin von Polizei und Justiz strafrechtlich belangt und verurteilt. Frauen konnten keine lesbischen Beziehungen eingehen, ohne schwerwiegende Nachteile wie fehlende Existenzsicherung oder den Verlust der Kinder zu riskieren. Menschen, deren Lebensführung, sexuelle Orientierung und gelebte Geschlechtsidentität nicht den gesellschaftlichen Normen entsprachen, wurden verachtet, diskriminiert und ausgegrenzt. Wir erinnern an alle Menschen, denen für ihre Art zu lieben und zu leben großes Leid angetan wurde oder die dafür sterben mussten. In vielen Staaten geschieht das noch immer. Auch in der Bundesrepublik gibt es bis heute Einstellungen, Strukturen und Gesetze, die Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transidente, Intergeschlechtliche und Queere (LSBTIQ) benachteiligen. Nur unser fortwährender Einsatz hilft, dies zu verändern, denn die Menschenrechte brauchen stets und überall unseren Schutz, damit wir alle frei und selbstbestimmt leben können.

Gestiftet von: Land RheinlandPfalz, Landeshauptstadt Mainz, Die Mainzer LSBTIQVereine und Initiativen”

(Foto: Landeshauptstadt Mainz)

Pressemitteilung der Landeshauptstadt Mainz

Weitere Fotos und Rede des QueerNet-Sprechers Joachim Schulte

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